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MEDIENMITTEILUNG 14.11. 2018

Stillstand statt Reform - Botschaft zur Agrarpolitik 2022+

Stillstand statt Reform - Botschaft zur Agrarpolitik 2022+

Mit seiner heutigen Botschaft bekräftigt der Bundesrat das agrarpolitische Treten an Ort. Dies nachdem seine eigenen Studien gezeigt haben, wie ineffizient die Agrarpolitik ist und wie sie weitgehend die Umweltgesetze missachtet. 

Die gegenwärtige Schweizer Agrarpolitik gehört zu den teuersten der Welt, und sie ist extrem ineffizient. Statt verfassungsgemäss eine nachhaltige Schweizer Landwirtschaft zu unterstützen, fördert sie über weite Strecken vor allem eine überintensive, teure und die Umwelt schädigende Produktion. Ausserdem hat sie die Bauernfamilien komplett vom Staat abhängig gemacht.

 

Wie ineffizient die Mittel eingesetzt werden, zeigte die aktuelle Evaluation der milliardenschweren Versorgungssicherheitsbeiträge. Sie bestätigt ein weiteres Mal, dass diese kaum etwas mit ihrem Namen gemein haben und die Agrarpolitik ihre Aufgaben nicht bedarfsgerecht und wirtschaftlich erfüllt.

Für die Umwelt besonders gravierend sind die Defizite in den Bereichen Ammoniakemissionen und Biodiversität, wo die Schweiz europaweit ein Schlusslicht darstellt. 2016 kam der Bundesrat zum Schluss, dass kein einziges der Umweltziele Landwirtschaft – die nichts anderes sind als auf konkrete Indikatoren heruntergebrochenes geltendes Recht – in den letzten 20 Jahren erreicht worden ist. 

Die heutige Landwirtschaftspolitik widerspricht somit der Verfassung und verletzt die Umweltgesetzgebung. In seiner Gesamtschau zur Agrarpolitik 2022+ gelobte der Bundesrat im vergangenen November Besserung. Heute, nach einem guten Jahr Brutzeit, hat der Berg eine Maus geboren. Die heute publizierte Botschaft ist weit entfernt von der versprochenen Reform. Bis auf kleine (immerhin begrüssenswerte) Anpassungen setzt der Bundesrat auf weiteres Treten an Ort. Für kein einziges der gravierenden Defizite unterbreitet er wirksame Lösungsvorschläge. 

Lösungen für die agrarpolitischen Defizite längst bekannt

Seit mindestens 10 Jahren ist bekannt, mit welchen Massnahmen die agrarpolitischen Defizite behoben werden könnten. Im Weissbuch Landwirtschaft hat Vision Landwirtschaft bereits 2010 mit Modellierungen aufgezeigt, dass mit gezielten Reformschritten die agrarpolitischen Ziele innerhalb weniger Jahre erreicht werden könnten, einschliesslich einer stark verbesserten Wirtschaftlichkeit. Die dortigen Erkenntnisse wurden in einer kürzlich publizierten Studie von Umweltorganisationen ein weiteres Mal bestätigt. 

Gut möglich, dass sich die Geschichte der letzten Agrarreform der 1990er Jahre wiederholt und der Reformstau erst durch einen zunehmenden Druck von Volksabstimmungen durchbrochen werden kann.

Weitere Auskünfte: Andreas Bosshard, Dr. sc. nat., Geschäftsführer Vision Landwirtschaft

Telefon: +41 56 641 11 55, Mobile: +41 78 715 55 89