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Versorgungssicherheit durch die überintensive Produktion in Bedrängnis

Versorgungssicherheit ist die Fähigkeit, im Krisenfall die Bevölkerung möglichst weitgehend aus den eigenen Ressourcen ernähren zu können. Das wichtigste Ziel der Versorgungssicherheit ist die Erhaltung der Produktionsgrundlagen, vor allem der Bodenfruchtbarkeit, funktionsfähiger landwirtschaftlicher Strukturen und der Ökosystemfunktionen. Die Versorgungssicherheitsbeiträge, der grösste Posten der Direktzahlungen, bewirken allerdings genau das Gegenteil. Sie fördern eine überintensive Produktion auf Kosten der Produktionsgrundlagen.
Unter dem Deckmantel der "Versorgungssicherheit" sind der Grossteil der Landwirtschaftssubventionen heute darauf ausgerichtet, die landwirtschaftliche Produktion weiter anzuheizen. Mit Erfolg: Noch nie wurde in der Schweiz so viel produziert wie heute, jedes Jahr ein bisschen mehr, obwohl laufend weniger Land bewirtschaftet wird. Doch die erreichte Produktionsintensität geht längst zulasten der Natur und damit der Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft selber. Bodenfruchtbarkeit,  Ökosystemfunktionen und Biodiversität geht es so schlecht wie noch nie. Die Produktionszunahme beeinträchtigt so zunehmend die Versorgungssicherheit.

Die Realisierung einer Agrarpolitik, die tatsächlich auf Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, gehört zu einem Kernanliegen von Vision Landwirtschaft. Dazu hat die Denkwerkstatt verschiedene Studien erstellt und konkrete Forderungen hergeleitet. An vorderster Stelle steht die Streichung der Versorgungssicherheitsbeiträge - mit über 1 Milliarde Franken jährlich der grösste und zugleich schädlichste Direktzahlungsposten. Bezeichnenderweise wurden diese Beitrage bisher vom Bund nie in ihrer Wirkung evaluiert. Ein parlamentarischer Vorstoss, der dies verlangte, wurde von einem Vertreter des Bauernverbandes erfolgreich blockiert. "So funktioniert die agrarpolitische Bananenrepublik Schweiz" titelte damals Vision Landwirtschaft.
News und Beiträge zum Thema:
ECO SRF / FERNSEHBEITRAG 30.1. 2017

Torfböden: Intensive Nutzung zerstört ihre eigene Grundlage

Werden Torfböden intensiv genutzt, forciert dies den Torfabbau. Die Böden lösen sich buchstäblich in Luft auf. Über ein Zentimeter fruchtbarer Boden kann so jedes Jahr unwiderbringlich verloren gehen. Dabei entstehen Unmengen an CO2. Würde dieses Klimagas mit den im Verkehr üblichen Kosten belegt, würde die Nutzung einer Hektare Moorboden jedes Jahr mit 2000 Franken zu Buche schlagen.

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ECO SRF / FERNSEHBEITRAG 30.1. 2017

Mythos Ernährungssicherheit

Bauernverband und Parlament wollen die Ernährungssicherheit in der Verfassung festschreiben. Die Schweizer Landwirtschaft soll noch mehr produzieren, und der Staat soll sie dabei noch mehr unterstützen. Doch diese Rechnung geht längst nicht mehr auf. Die Nahrungsmittelproduktion ist in der Schweiz nur deshalb so hoch, weil die Landwirtschaft dazu immer mehr aus dem Ausland importiert - Futtermittel, Energie, Dünger, Maschinen. Die überintensive Produktion hat wenig mit Ernährungssicherheit und eigentlicher Landwirtschaft zu tun, aber viel mit Veredelungsindustrie und ökologischen Folgeschäden.

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VISION LANDWIRTSCHAFT / NEWSLETTER 31.5. 2016

Wo die wirksamen Hebel zur Sicherung der Ernährung liegen

Um die Ernährung der Menschheit zu sichern, so die weit verbreitete These, müssen zwingend die landwirtschaftlichen Erträge gesteigert werden. Bei genauer Betrachtung der komplexen Zusammenhänge zeigt sich aber, dass eine weitere Produktionsintensivierung für Länder mit einer „high-input"-Landwirtschaft die ineffizienteste und schädlichste Strategie zur Sicherung der Ernährung ist.

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VISION LANDWIRTSCHAFT / NEWSLETTER 8.3. 2016

Ernährungssicherheitsinitiative: dreiste Mogelpackung

Warum der Schweizer Bauernverband eine Initiative lanciert und nicht sagen will, was er damit bezweckt.

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FELIX SCHLÄPFER / ZEITUNGSARTIKEL 18.12. 2015

Versorgungssicherheit: Wieviel Produktion braucht es?

Das Faktenblatt 5 zur Versorgungssicherheit hat ein breites Medienecho ausgelöst. Nur die bäuerlichen Medien berichteten mit keinem Wort darüber. "Die Bauern hätten an diesen Aussagen keine Freude" meinte ein leitender Redaktor dazu auf Anfrage. Immerhin akzeptierte die Bauernzeitung einen Meinungsbeitrag von Vision Landwirtschaft, in welchem die wichtigsten Schlussfolgerungen aus der Studie zur Versorgungssicherheit zusammengefasst sind.

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TAGESANZEIGER / ZEITUNGSARTIKEL 27.11. 2015

Wer in Krisen essen will, soll die Böden schonen

Für Ernährungssicherheit müsse der Staat intensiv produzierende Bauern fördern - so die konservative Ansicht. Eine neue Studie von Vision Landwirtschaft legt das Gegenteil nahe. Der Tages-Anzeiger stellt sie vor.

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VISION LANDWIRTSCHAFT / FAKTENBLATT 1.11. 2015

Faktenblatt Nr. 5: Multifunktionale Landwirtschaft: Lässt sich Versorgungssicherheit mit Ressourceneffizienz und dem Schutz der Biodiversität vereinbaren?

Möglichst viel zu produzieren ist zum wichtigsten Ziel einiger bäuerlicher Organisationen geworden. Auch der Bund fördert mit Pauschalsubventionen, Anbauprämien und Grenzschutz eine laufend steigende Nahrungsmittelproduktion in der Schweiz. Begründet wird dies mit der Versorgungssicherheit. Doch eine hohe Produktion in Normalzeiten garantiert nicht eine sichere Ernährung im Krisenfall. Im Gegenteil, sie kann diese sogar gefährden. Das ist der Fall, wenn die Produktion immer stärker von Importen - beispielsweise Futtermitteln, Energie, Maschinen, Dünger, Pestiziden - abhängt oder wenn sie die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigt. Zudem leiden die Produzentenpreise unter der zu hohen Produktion.
Wie viel Produktion ist für die Versorgungssicherheit nötig und tragbar? Dieser Frage geht das neue Faktenblatt von Vision Landwirtschaft nach. Die Resultate von Szenarienrechnungen zeigen: Die Versorgungssicherheit kann mit einer um 10-20% geringeren Produktion besser gewährleistet werden - solange das Landwirtschaftsland nicht weiter abnimmt.

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ROBERT BRUNNER IM ZÜRCHER BAUER / KOMMENTAR 5.9. 2014

Überschüsse aus der Niederstamm-Tafelobstproduktion vermiesen den Hochstamm-Mostobstproduzenten den Preis

Der Grossteil des Obstes der Äpfel- und Birnen-Hochstammbäume wird für die Produktion von Most verwendet. Doch der Preis von Mostobst ist seit vielen Jahren so tief, dass sich eine Ernte nur unter ganz speziellen Bedingungen bei hohem Mechanisierungsgrad einigermassen lohnt. Das vergällt den Produzenten die Freude am ökologisch wertvollen Hochstamm-Obstbau. Rechtzeitig zur Obsternte erscheinen in den bäuerlichen Medien jeweils Artikel, welche den Mostobstüberschuss als Ursache dafür beklagen und die Hochstammförderung kritisieren.

Was meist nicht gesagt wird: Der Überschuss geht mittlerweile allein auf massive Überkapazitäten bei den Niederstamm-Obstkulturen zurück. Bei den Tafeläpfeln dürfte ein Drittel der Ernte aus den Niederstammkulturen als Überschuss anfallen. Dieser wird den Mostereien zugeführt und konkurrenziert dort direkt das – qualitativ hochwertigere – Mostobst aus dem Hochstammobstbau. Davon gebe es keinen Überschuss, im Gegenteil, mangels Bäume im Ertragsalter würden bereits Engpässe sichtbar. Aber der Preis werde eben durch den Überschuss aus der Tafelobstproduktion gemacht. Ein marktorientierter Hochstammobstbau ist unter diesen Voraussetzungen fast nicht möglich.

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VISION LANDWIRTSCHAFT / NEWSLETTER 11.2. 2014

SBV-Initiative für Ernährungssicherheit – heisse Luft oder Mogelpackung?

Der Schweizer Bauernverband (SBV) startet heute mit der Unterschriftensammlung für seine "Volksinitiative für Ernährungssicherheit". Damit will er "die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit vielfältigen, einheimischen Nahrungsmitteln langfristig erhalten". Genau das will die Verfassung und Politik schon heute. Was also bezweckt der SBV mit seiner Initiative?

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VISION LANDWIRTSCHAFT / FAKTENBLATT 1.11. 2011

Faktenblatt Nr. 2: Landwirtschaftliche Wertschöpfung erhöhen

Vorschläge zur Weiterentwicklung des landwirtschaftlichen Direktzahlungssystems der Schweiz – ein Vergleich auf der Basis von Modellrechnungen.

Der Reformvorschlag des Bundesrates zur Agrarpolitik 2014–2017 enthält wesentliche Verbesserungen gegenüber dem heutigen Direktzahlungssystem. Wie ein Detailvergleich mit dem Vorschlag von Vision Landwirtschaft zeigt, schöpft er aber das Optimierungspotenzial zugunsten der Landwirtschaft und der Umwelt bei weitem nicht aus.

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VISION LANDWIRTSCHAFT / NEWSLETTER 1.7. 2011

Edinburgher Erklärung fordert Halbierung des Fleischkonsums

Eine nachhaltige Landwirtschaft ist nicht ohne den nachhaltigen Konsumenten mög- lich. Ein Schlüsselfaktor ist dabei unser Fleischkonsum. Eine Reduktion um die Hälf- te würde zahlreiche Umweltprobleme der Landwirtschaft auf einen Schlag lösen. Genau dies forderten Wissenschafter an einer internationalen Konferenz. 

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VISION LANDWIRTSCHAFT / BUCH 1.1. 2011

Das Weissbuch zur Landwirtschaft

Das Weissbuch zur Landwirtschaft
Cover Weissbuch

Das 2010 von Vison Landwirtschaft herausgegebene "Weissbuch Landwirtschaft Schweiz" legte einen entscheidenden Grundstein für die wieder in Gang gekommenen Reformbemühungen der Schweizer Landwirtschaftspolitik. Die erste Auflage des Buches war innert weniger Monate ausverkauft. Die zweite Auflage ist hier erhältlich.

Die Anfangs der 1990er Jahre auf Druck verschiedener Volksinitiativen eingeleitete Agrarreform kam während zwei Jahrzehnten kaum vom Fleck. Der Grossteil der damals eingeführten agrarpolitischen Instrumente wurden den damals gesetzten Zielen und dem neuen landwirtschaftlichen Verfassungsartikel von 1996 nicht gerecht. Öffentliche Mittel in Milliardenhöhe wurden nicht verfassungskonform eingesetzt und schadeten der Zukunftsfähigkeit, der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Schweizer Landwirtschaft in unverantwortlicher Weise.

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