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Jahrzehntelange Fehlanreize treiben die Schweizer Landwirtschaft wirtschaftlich an den Abgrund

Wertschöpfung und Wirtschaftlichkeit der Schweizer Landwirtschaft bilden im weltweiten Vergleich ein Schlusslicht. Hauptsächlicher Treiber sind staatliche Fehlanreize durch hohe Subventionen und Preisstützungen. Weil der Bund in seinen Statistiken jeweils stark geschönte Zahlen zur wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft publiziert, wurde das eigentliche Ausmass des Desasters von der Politik und der Öffentlichkeit bisher kaum zur Kenntnis genommen.
Jahrzehntelange, im internationalen Vergleich extrem hohe Fehlanreize durch Subventionen haben die Schweizer Landwirtschaft in eine komplette Staats- und Industrieabhängigkeit getrieben.

2009 verdiente die Schweizer Landwirtschaft aus ihrer Produktion erstmals keinen Rappen mehr. Seither übersteigen die Kosten für Vorleistungen wie Futtermittel, Energie, Pestizide und Maschinen die Erlöse aus der Produktion. Dabei ist die von den Konsumenten getragene Preisstützung durch den Grenzschutz noch nicht einmal in die Rechnung miteinbezogen. Wird sie mit eingerechnet, schreiben die Schweizer Bauernbetriebe heute insgesamt rund 2 Milliarden Verluste, noch bevor sie sich einen Lohn ausbezahlt haben. Dies zeigen Analysen von Vision Landwirtschaft. Der Bund dagegen publiziert bis heute massiv geschönte Zahlen.

Die Subventionen halten also nicht einfach unrentable Strukturen am Leben, sondern fördern aktiv eine immer intensivere, enorm unwirtschaftliche Produktion, deren Kosten weit stärker steigen als die Ertragssteigerungen und die Erlöse aus den produzierten Produkten. Die Landwirtschaft ist zu einem wirtschaftlichen Durchlauferhitzer geworden. Ihre Einnahmen fliessen unter dem Strich vollständig an die vorgelagerten Branchen weiter. Agrarkonzerne steigern dabei ihren Umsatz Jahr für Jahr. Gleichzeitig entstehen durch den hohen Technik- und Hilfsstoffeinsatz massive Umweltschäden.

Die jetzige Politik weiterzuführen ist ökonomisch verantwortungslos. Die Zahlen und Fakten sind auf dem Tisch. Vision Landwirtschaft fordert für 2021 eine tiefgreifende Korrektur der Agrarpolitik.
Beiträge zum Thema
TAGES-ANZEIGER / 9.10. 2017

Weiteres landwirtschaftliches Steuerprivileg soll fallen

Die Landwirtschaft geniesst zahlreiche steuerliche Sonderprivilegien. Viele davon - beispielsweise die Befreiung von den Treibstoffsteuern - verzerren wirtschaftliche Realitäten, geben Fehlanreize für wenig umweltfreundliche Bewirtschaftungsweisen oder verführen zu unrentablen Investitionen.

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ECO SRF / AGROSCOPE / 25.9. 2017

Milchproduktion: Mehr verdienen durch weniger Kraftfutter und mehr Weide

Was Vision Landwirtschaft 2016 in einem Faktenblatt aufgezeigt hat, bestätigte jetzt Agroscope mit detaillierten Betriebsanalysen: Milchproduktion könnte auf vielen Schweizer Betrieben deutlich effizienter, umweltschonender und rentabler betrieben werden, wenn weniger Kraftfutter gefüttert und die Weidehaltung ausgebaut würde. Dazu eignen sich aber die Hochleistungsrassen wenig. Dies ist mit ein Grund, warum erst eine kleine Minderheit von Bauern auf diese Weise Milch produziert. ECO berichtet in einem Beitrag über die Bemühungen, einen "neue Schweizer Kuh" zu züchten.


KULTUR & POLITIK / INTERVIEW 6.9. 2017

Erhalten oder schädigen die Direktzahlungen und der Grenzschutz die Schweizer Landwirtschaft?

Ein Streitgespräch zwischen Mathias Binswanger, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, und Andreas Bosshard, Geschäftsführer von Vision Landwirtschaft.

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SÜDOSTSCHWEIZ / AZ / 3.8. 2017

Fenaco - "der Staat im Staate"

Das Schweizer Marktmonopol der Fenaco im Agrarbereich ist zweischneidig und wird immer wieder heftig kritisiert. Trägt der Konzern, zu dem mittlerweile über 80 Firmen gehören, zu einer teuren, wirtschaftlich wenig effizienten Schweizer Landwirtschaft bei? Oder handelt der Agrarriese mit einem laufend steigenden Umsatz von heute fast 6 Milliarden Franken im Sinne seiner "Besitzer", der Bauern? Der Artikel in der Südostschweiz setzt sich mit diesen Fragen auseinander.
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HANDELSZEITUNG / 24.5. 2017

Der Milch-Irrsinn

In der Schweiz wären alle Voraussetzungen erfüllt, um Milch nachhaltig  und von besonderer Qualität zu produzieren. Doch die Entwicklung läuft seit Jahren in die gegenteilige Richtung: Immer höhere Milchleistungen mit immer grösseren Kraftfutterimporten aus dem Ausland. Das Resultat: Umweltprobleme, ein tiefer Milchpreis und zu hohe Produktionskosten. Eine schlechtere Strategie für die Milchbauern und die Umwelt ist schwer vorstellbar. Dafür steigen die Umsätze der Futtermittelhändler und die Margen des Handels. Die Handelszeitung leuchtet die absurde Entwicklung aus.
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Verwandte Beiträge

NZZ / 1.4. 2017

Agrarstützung der Schweiz exorbitant hoch

In einem bisher wenig beachteten Bericht hat der Bundesrat u.a. das Stützungsniveau der Landwirtschaft in verschiedenen Ländern verglichen. Vision Landwirtschaft hat den Bericht analysiert und wirft dem Bundesrat in einem Beitrag der NZZ irreführende Zahlenakrobatik vor. Im Vergleich mit der EU sei die Stützung 10 Mal höher und nicht nur um den Faktor 3, wie der Bundesrat schreibt. Verglichen mit den USA oder Kanada sei die Stützung sogar 53-77 Mal höher.

Das zu viele staatliche Geld im System sei für viele Probleme der Schweizer Landwirtschaft und die seit Jahren fehlende Erreichung agrarpolitischer Ziele wesentlich mitverantwortlich.

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NZZ / 9.2. 2017

Negative Wertschöpfung der Schweizer Landwirtschaft?

Die enorm hohe Agrarstützung in der Schweiz hat die Wertschöpfung und Eigenwirtschaftlichkeit der heimischen Landwirtschaft zunichte gemacht. Darauf weisen Zahlen von Vision Landwirtschaft hin. Eine in der NZZ thematisierte Analyse der Denkwerkstatt zeigt, dass die Schweizer Landwirtschaft aus ihrer Produktion heute 1 Milliarden Franken Defizit generiert.

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AGROSCOPE / NZZ / 19.1. 2017

Smart Farming: Ausweg aus der fehlenden Wertschöpfung?

Smart Farming: Ausweg aus der fehlenden Wertschöpfung?

Fütterungsmaschinen für Rinder, Drohnen, die automatisiert Pestizide ausbringen, Unkräuter jätende Roboter - "Smart Farming" verheisst der Landwirtschaft neue Perspektiven. Eine Tagung an der Agroscope zeigte, was heute alles denkbar ist. Ob die neue Technik den Bauern zu mehr Wertschöpfung und Nachhaltigkeit verhelfen wird, oder die Landwirtschaft noch teurer und unwirtschaftlicher macht, wird die Zukunft weisen. Euphorie wäre jedenfalls verfrüht. Vision Landwirtschaft plädiert in der NZZ für Zurückhaltung. Es sei die Entscheidung jedes Bauern, ob der seine Arbeit und Wertschöpfung noch weiter an die Industrie abtreten wolle.

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Verwandte Beiträge

VISION LANDWIRTSCHAFT / NEWSLETTER 11.11. 2016

Landwirtschaftliche Wertschöpfung rutscht noch weiter in den roten Bereich

Die Wertschöpfung der Schweizer Landwirtschaft bildet im weltweiten Vergleich ein Schlusslicht. Gemäss Zahlen im neuen Agrarbericht hat sie 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 15% auf 1,8 Milliarden Franken abgenommen. Doch die Zahlen des Bundes zeigen nur einen Teil der Realität, da sie die Preisstützung als Wertschöpfung verbuchen. Vision Landwirtschaft hat die tatsächliche Wertschöpfung berechnet. Diese hat sich weiter verschlechtert von minus 1,5 Milliarden Franken im Jahr 2014 auf neu minus 2,3 Milliarden Franken. 

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VISION LANDWIRTSCHAFT / FAKTENBLATT 1.8. 2016

Faktenblatt Nr. 7: Weide- statt Hochleistungsstrategie in der Schweizer Milchproduktion

Vergleich von Hochleistungsstrategie und Vollweide mit geringem Kraftfuttereinsatz

Mehrere Studien zeigten in den letzten Jahren, dass sich Einkommen und Stundenlöhne auf Schweizer Milchwirtschaftsbetrieben durch eine Reduktion der Produktionskosten wesentlich verbessern lassen. Wichtige Möglichkeiten zur Kostenreduktion bestehen einerseits in der Reduktion des Kraftfuttereinsatzes und andererseits in der Nutzung von Weidesystemen anstelle der aufwändigen Stallfütterung.

Der Grossteil der Milchbetriebe in der Schweiz setzt heute auf eine Hochleistungsstrategie mit Stallhaltung und wesentlichem Kraftfuttereinsatz. Im vorliegenden Faktenblatt werden die Einkommensverbesserungspotenziale und die wichtigsten Umweltwirkungen untersucht, welche aus einer Umstellung auf weidebetonte Haltung in Kombination mit einem weitgehenden Verzicht auf Kraftfutter resultieren. Basis der Berechnungen bilden Studien, welche verschiedene Milchproduktionsstrategien empirisch miteinander verglichen.

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FELIX SCHLÄPFER / ZEITUNGSARTIKEL 31.3. 2016

Wertschöpfung richtig rechnen

Der Bund beziffert die Wertschöpfung der Schweizer Landwirtschaft auf 2,2 Milliarden Franken. Doch die Zahl ist irreführend, weil weder der Grenzschutz noch die erbrachten gemeinwirtschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft mitberücksichtigt sind. In einer neuen Studie fordert VL eine realitätsbezogene Berechnung. Die sich daraus ergebende Differenz zu den offiziellen Zahlen beträgt über 3 Milliarden Franken. Daraus ergibt sich weitgehender Korrekturbedarf auch für die Agrarpolitik.

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VISION LANDWIRTSCHAFT / NEWSLETTER 31.3. 2016

Negative Wertschöpfung der Schweizer Landwirtschaft

Wie hoch ist die Wertschöpfung der Schweizer Landwirtschaft? Sie wird in der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung des Bundes mit 2,2 Milliarden Franken angegeben. Doch die Zahl ist irreführend und verwischt die reale wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft, weil weder der Grenzschutz noch die erbrachten gemeinwirtschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft mitberücksichtigt sind. Eine neue Studie zeigt, wie eine realitätsbezogene Berechnung, basierend auf Zahlen von Bund und OECD, aussehen müsste. Die Differenz zu den offiziellen Zahlen beträgt über 3 Milliarden Franken.

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VISION LANDWIRTSCHAFT / FAKTENBLATT 1.3. 2016

Faktenblatt Nr. 6: Wirtschaftliche Kennzahlen für die multifunktionale Schweizer Landwirtschaft

Wie hoch ist die Wertschöpfung der Schweizer Landwirtschaft? Sie wird in der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung des Bundes mit 2,2 Milliarden Franken angegeben. Doch die Zahl ist irreführend und verwischt die reale wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft, weil weder der Grenzschutz noch die erbrachten gemeinwirtschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft mitberücksichtigt sind. Die konventionelle landwirtschaftliche Gesamtrechnung wird ihrem Namen nicht gerecht.
Das neue Faktenblatt von Vision Landwirtschaft zeigt, wie eine realitätsbezogene Berechnung, basierend auf Zahlen von Bund und OECD, aussehen müsste. Die Differenz zu den offiziellen Zahlen beträgt über 3 Milliarden Franken. Ausserdem wird eine Reihe weiterer wirtschaftlicher Kennzahlen für die multifunktionale Schweizer Landwirtschaft vorgeschlagen und berechnet. Unter anderem Kennzahlen für den Anteil der Direktzahlungen, die Leistungen abgelten, für die Stützung der Landwirtschaft insgesamt (ohne die Zahlungen für Leistungen) sowie für die Höhe der wichtigsten Umweltkosten der Landwirtschaft.

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FELIX SCHLÄPFER ET ANNE BERGER / ZEITUNGSARTIKEL 7.5. 2015

Subventions fédérales contradictoires pour le lait

L'agriculture suisse a atteint un nouveau record de production laitière 2014. Cette surproduction n'apporte presque que des perdants: producteurs, environnement, contribuables. Avec ses incitations perverses de subventions forfaitaires, l'État est largement responsable de cette situation. Pourtant l'Union suisse des paysans et le producteur laitiers demande encore plus de soutien financier. Un article dans Le Temps montre pourquoi cette politique fait fausse route.

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VISION LANDWIRTSCHAFT / NEWSLETTER 1.4. 2014

Hofportrait: Sich von der Agroindustrie und den Direktzahlungen befreien

Christophe Viret bewirtschaftet 45 ha Ackerbau und Wiesland oberhalb von Morges am Genfersee. Vor 20 Jahren einer der ersten, die auf pfluglose Bodenbearbeitung umstellten, praktiziert er heute diese anspruchsvolle Methode selbst mit Bio-Label erfolgreich. Dank tieferen Kosten und im Verbund mit weiteren innovativen Schritte konnte er seinen Hof aus der Schuldenfalle befreien und so die einst schmerzlich verlorene Autonomie wieder zurückgewinnen.

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VISION LANDWIRTSCHAFT / BUCH 1.1. 2011

Das Weissbuch zur Landwirtschaft

Das Weissbuch zur Landwirtschaft
Cover Weissbuch

Das 2010 von Vison Landwirtschaft herausgegebene "Weissbuch Landwirtschaft Schweiz" legte einen entscheidenden Grundstein für die wieder in Gang gekommenen Reformbemühungen der Schweizer Landwirtschaftspolitik. Die erste Auflage des Buches war innert weniger Monate ausverkauft. Die zweite Auflage ist hier erhältlich.

Die Anfangs der 1990er Jahre auf Druck verschiedener Volksinitiativen eingeleitete Agrarreform kam während zwei Jahrzehnten kaum vom Fleck. Der Grossteil der damals eingeführten agrarpolitischen Instrumente wurden den damals gesetzten Zielen und dem neuen landwirtschaftlichen Verfassungsartikel von 1996 nicht gerecht. Öffentliche Mittel in Milliardenhöhe wurden nicht verfassungskonform eingesetzt und schadeten der Zukunftsfähigkeit, der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Schweizer Landwirtschaft in unverantwortlicher Weise.

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