Wie die Schweizer Landwirtschaft gegenüber Hitze und Trockenheit widerstandsfähiger wird – und zwar nicht mit Hauruckübungen, sondern mit einer langfristig ausgerichteten Strategie
Von Januar bis Juli 2026 fiel im Schweizer Mittelland nur die Hälfte der üblichen Niederschläge und die Hitze verstärkt den Wassermangel durch Verdunstung. Mehr Bewässerung ist keine Lösung, weil das Wasser auch in den Flüssen, Seen und im Grundwasser fehlt. Die Vereine ohneGift und Vision Landwirtschaft stellen Massnahmen vor, die wirklich etwas bringen.
Text: Vision Landwirtschaft & Verein ohneGift Fotos: Vision Landwirtschaft & Verein ohneGift
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Die Trockenheit hat die Schweiz fest im Griff. Alp im Kanton Tessin. Bild Vision Landwirtschaft
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Teil 1: Pflanzenbau
Das Wichtigste in Kürze:
- Zunehmende Hitze und Trockenheit erhöhen den Druck auf die Schweizer Landwirtschaft, sich anzupassen.
- Wasser wird auch in der Schweiz zum knappen Gut. Eine wesentliche Steigerung der Bewässerung stösst jedoch an praktische Grenzen. Sie schüfe zudem Konflikte – zum Beispiel bei der Trinkwasserversorgung oder für Fische – und dies nicht nur im Inland, sondern auch mit den Nachbarländern.
- Nötig sind Landschaften, die mehr Wasser speichern, trockenheitstolerante Kulturen, angepasste Kulturtechniken, Humusaufbau und Weiteres.
- So kann gleichzeitig der Eintrag von Pflanzenschutz- und Düngemitteln in die Gewässer verringert werden.
- Die nötigen Massnahmen für eine trockenheits- und hitzeresiliente Landwirtschaft betreffen zwei Ebenen: die Politik und den Gesetzgeber sowie die einzelnen Betriebe. Der stärkste Hebel liegt aber im Direktzahlungssystem. Es macht Sinn, diese Zahlungen künftig stärker an wirksame Massnahmen zu knüpfen.
1. Sommerhitze, weniger Niederschläge und mehr Starkregen
Wir alle haben in den vergangenen Wochen erfahren, wie Tiere, Pflanzen, wir selbst und nicht zuletzt LandwirtInnen unter der Hitze und Trockenheit leiden. Täglich lasen wir darüber in den Medien, sahen es mit eigenen Augen und waren unmittelbar betroffen mit unseren Gärten.
Tatsächlich fiel von Januar bis Juli 2026 im Schweizer Mittelland nur etwa die Hälfte der üblichen Niederschläge[1]. Dass unsere Landschaft vielenorts aussieht wie in Südfrankreich, hat aber wesentlich mit den höheren Temperaturen zu tun. So herrschte etwa im Juni 2026 bei der Station Basel/Binningen eine Tagesmitteltemperatur von 22.1 °C. Das sind 4 °C mehr als im Durchschnitt von 1990 bis 2020 (18.1 °C)[2]. Eine 4 °C höhere Temperatur bedeutet, dass die Verdunstung vegetationsbedeckter Bodenfläche um etwa 20% steigt (ca. 5% pro Grad Temperaturzunahme). Verdunsten bei 20°C also 4 Liter pro Tag (ein realistischer Wert bei normaler Bodenfeuchte), sind es bei 24 °C knapp 5 Liter[3].
In den aktuellen Klimaszenarien (2025) geht der Bund davon aus, dass die Sommerniederschläge gegenüber der Referenzperiode 1990 bis 2020 weiter sinken und die Temperaturen in Zukunft mindestens im Umfang der globalen Erwärmung (die auf 1.5 bis 3 Grad geschätzt wird) weiter steigen.[4] Es wäre unvernünftig zu hoffen, das Temperatur-Niederschlagsregime werde wieder, wie es einmal war. Dagegen spricht auch die Häufung von fünf extremen Wetterjahren über die letzten 25 Jahre (2003, 2011, 2018, 2022 und 2026). Zwar gab es in den 100 Jahren zuvor auch 12 trockene Jahre (3 pro 25 Jahre);[5] die wichtigste Veränderung liegt aber in der Kombination von trockenen Jahren und höherer (sprich: die Verdunstung verstärkender) Temperatur.
Auch in der Schweiz werden Starkregen häufiger.[6] Das Paradoxe daran: Anstatt die Trockenheit zu lindern, erhöhen sie die Risiken für Bodenerosion und Abschwemmung von Nährstoffen und Pestiziden und damit auch die Gewässerbelastung. Nicht zuletzt können Starkregen (aber auch Gewitter mit Hagel) die Kulturen massiv schädigen.
2. Durst
Nicht nur wilde Tiere und Pflanzen leiden unter Wassermangel und Durst, sondern auch die Landwirtschaft: Böden und Kulturen trocknen aus, Missernten nehmen zu, Futterpflanzen stellen das Wachstum ein, Kühe müssen kurz nach dem Alpaufzug wieder ins Tal geführt werden. Die tiefe Bodenfeuchtigkeit wirkt auch im nächsten Jahr nach, wenn nicht bald genug Regen fällt.
Abbildung 1 und 2: Die Trockenheit hat die Schweiz fest im Griff. Auch die Sojabohnen (oben) und der Mais (unten) leiden, hier im Zürcher Weinland. Bild Verein ohneGift©
Die derzeitige Schweizer Landwirtschaft ist diesen Herausforderungen nicht gewachsen. Vor allem auf Bewässerung zu setzen, wie dies das Bundesamt für Landwirtschaft und einige Kantone tun und Exponenten aus Politik und Landwirtschaft fordern, scheitert an der zunehmenden Wasserknappheit und an Schutz- und Nutzungskonflikten, insbesondere mit der Trinkwasserversorgung. Eine grossräumige Bewässerung aus Flüssen oder Seen schafft zudem ein hohes Konfliktpotential mit den Nachbarländern (v.a. Deutschland und Frankreich), denn diese versorgen grosse Teile ihrer Bevölkerung über Grundwasserfassungen in Flussnähe (Uferfiltrat) oder mit Seewasser; namentlich aus Gewässern, die ihren Ursprung in der Schweiz haben. So betreibt etwa die französische Stadt Lyon eine der grössten Wasserversorgungen in Europa (für 1.4 Mio. Menschen) durch Nutzung des Rhonegrundwasserstroms[7] und in Süd-Deutschland werden 4 Mio. Menschen mit Trinkwasser aus dem Bodensee versorgt.[8] Von 60 Millionen Menschen, die heute im Einzugsgebiet des Rheins wohnen, trinken 30 Millionen aufbereitetes Rheinwasser, das meist aus Uferfiltrat gewonnen wird.[9]
Wasser wird auch im einstigen Wasserschloss Schweiz zum knappen Gut. Eine grossräumige (flächenintensive) Bewässerung in der Landwirtschaft ist nicht möglich. In Frage kommt höchstens die gezielte und effiziente Bewässerung ausgewählter Kulturen mit geringem Flächenanteil, beispielsweise Gemüse, mit wassersparenden Techniken.
Abbildung 3: Bio-Fenchel mit Tropfbewässerung im Zürcher Weinland. Bild Verein ohneGift©
Der Handlungsbedarf ist unbestritten. Zwar kann eine angepasste Landwirtschaft weder Niederschläge noch - über das Mikroklima in den Kulturen hinaus - Hitze verändern. Doch kann sie den Pflanzenbau mit einer Kombination von Massnahmen gegenüber der Klimaveränderung widerstandsfähiger – das heisst, resilienter – machen.
3. Resilienz verbessern
Resilienz zu stärken, heisst die Kulturen anzupassen und den Wasserhaushalt zu verbessern. Zuerst geht es darum, alte Sünden rückgängig zu machen (3.1). Weiter gilt es, den Pflanzenbau an Hitze und Trockenheit anzupassen (3.2), Humus in den Böden aufzubauen (3.3), den Boden schonend zu bearbeiten (3.4), den Biolandbau und andere Kulturtechniken weiterzuentwickeln (3.5). Weitere Massnahmen sind in Tabelle 1 (unten) zusammengestellt.
3.1 Alte Sünden rückgängig machen
Seit der Industrialisierung (ca. ab 1840) wurden Flüsse begradigt, Bäche eingedolt, Moore trockengelegt, Wälder entwässert und landwirtschaftliche Flächen drainiert [5, 6]. Das Ziel war, Wasser möglichst rasch abzuleiten. Dadurch gingen viele natürliche Wasserspeicher verloren. Heute fehlt dieses Wasser, wenn Böden austrocknen, Pflanzen und Tiere aber darauf angewiesen sind. Die Landschaft hat vielenorts ihre natürliche Schwammfunktion eingebüsst. Künftig muss sie wieder mehr Wasser aufnehmen, speichern und zeitverzögert abgeben können (siehe Box).
Schwammland
Schwammland bezeichnet Landschaften, die Regenwasser aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben. Analog zur Funktion eines Schwammes können Schwammlandschaften viel Wasser aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben. Dadurch wird Wasser dort zurückgehalten, wo es fällt – anstatt schnell über Bäche und Flüsse davon zu fliessen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Schwammfunktion zu stärken:
- Agroforstsysteme, bei denen Bäume gezielt mit Ackerbau oder Tierhaltung kombiniert werden, beschatten Böden, reduzieren die Verdunstung und verbessern durch tiefwurzelnde Bäume die Wasserspeicherung.[10]
- Hecken und Anbau entlang von Höhenlinien (Keyline-Design) bremsen den Oberflächenabfluss und fördern die Versickerung.[11]
- Wasserrückhaltebecken und Versickerungsmulden speichern Winter- und Starkniederschläge für trockenere Zeiten.[12]
- Bestehende Drainagesysteme können so umgebaut werden, dass sie Wasser zeitweise zurückhalten statt nur ableiten (Smart-Drainage).[13]
- Wo Bewässerung notwendig bleibt, sollte sie effizient erfolgen – etwa mit Tropfbewässerung, unterirdischer Bewässerung und Bodenfeuchtesensoren.[14]
Abbildung 4: Schlauchabschnitt einer (oberirdischen) Tropfbewässerung im Zürcher Weinland. Ein solches Löchlein findet sich alle 30 cm. Im Schlauchinneren hinter dem Löchlein ist ein Dosier-Plättchen angebracht. Bild Verein ohneGift©
Diese Massnahmen erbringen mehrfachen Nutzen. Sie helfen nicht nur während Trockenperioden, sondern auch bei Starkregen. Indem Wasser langsamer abfliesst und besser versickert, werden Hochwasserspitzen reduziert und der Abtrag von fruchtbarem Oberboden und die Abschwemmung von Nährstoffen verhindert. Nicht zuletzt verringert eine solche «Verlangsamung» den Eintrag von Dünger und Pflanzenschutzmitteln in die Gewässer.
3.2 Pflanzenbau an Hitze und Trockenheit anpassen
Alle, die selbst gärtnern und selbstverständlich LandwirtInnen wissen, dass es Pflanzen gibt, die mit Trockenheit und Hitze besser umgehen können als andere. Dies muss nicht einmal damit zu tun haben, dass sie weniger Wasser brauchen. Wichtig ist, wie gut und tief ihr Wurzelwerk ist, um Wasser aus dem Boden aufzunehmen. So braucht etwa die Sonnenblume die stattliche Menge von 600 bis 1'000 mm Regen; sie hat aber eine 2 - 3 m tiefe Pfahlwurzel und gedeiht auch bei mittlerer Trockenheit[15]. Weitere trockenheitstolerante Pflanzen sind (Auswahl):, Sorghum, Hirse, Winterweizen, Wintergerste, Linse, Kichererbse, Süsskartoffel, Luzerne (Futterbau)[16]. Anfällig auf Trockenheit sind demgegenüber: Kartoffeln, Mais, Sommergetreide, Erbsen, die meisten Gemüse, Erdbeeren (a.a.O.).
Abbildung 5: Süsskartoffel-Frites (mit Parmesan). Im Vergleich zu «normalen» Pommes-Frites sind sie süsser, cremiger und bieten ein vielfältigeres Gaumen-Erlebnis. Die Süsskartoffel braucht im konventionellen Anbau kaum 20 % der Pflanzenschutzmittel von Kartoffelkulturen (im Wesentlichen 1 – 2mal Herbizide; im Vergleich dazu werden Kartoffeln etwa 14mal mit Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden gespritzt[17]). Bild Verein ohneGift©
Angepasste Fruchtfolgen, robuste Sorten und optimierte Saattermine helfen zusätzlich, Trockenperioden zu überstehen.
Die Landwirtschaft muss sich stärker an den jeweiligen Standort und die dort herrschenden klimatischen Verhältnisse anpassen. Aber: Nicht jede Kultur wird künftig überall wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll angebaut werden können. Und selbstverständlich ergibt es auch keinen Sinn, eine Kultur anzubauen, für die kein Absatzmarkt vorhanden ist.
3.3 Humus bringt vielfältige Nutzen
Ackerböden haben im Zuge ihrer (historischen) Kultivierung 50% bis 66% Humus verloren, was etwa dem Unterschied des Humusgehaltes von Wald und Dauerwiese gegenüber Ackerland entspricht.[18]
Mehr Humus hält mehr Wasser zurück. Nach einer Metastudie werden pro zusätzlichem Massenprozent an organischem Kohlenstoff in der obersten Bodenschicht (20 cm Dicke) rund 2,3 Liter mehr Wasser pro Quadratmeter zurückgehalten.[19] Ein Humusaufbau von 2 Prozent kann damit bei normaler Bodenfeuchte eine Tagesverdunstung ausgleichen und bei trockenem Boden mehr (oben Kap. 1).
Humusaufbau ist möglich durch Kompost, Mist, Zwischenfrüchte und weniger Pflanzenschutzmittel, namentlich Fungizide, die das Bodenleben (Bakterien, Pilze, Kleintiere) beeinträchtigen. Gleichzeitig werden dadurch Kohlenstoff gebunden und die Auswaschung von Nitrat vermindert.
Eine intensive Landwirtschaft mit vielen Dünge-, Pflanzenschutzmitteln und Bodenstörungen, verhindert den Humusaufbau. Der Humusgehalt bleibt tief oder sinkt weiter.
3.4 Schonende Bodenbearbeitung
Wichtig sind eine schonende Bodenbearbeitung und dauerhafte Bodenbedeckung durch Mulch oder Zwischenfrüchte. Dadurch verdunstet weniger Wasser, der Boden bleibt kühler und Starkregen kann besser versickern. Auch Bodenverdichtungen sollten konsequent vermieden werden, damit Regenwasser nicht oberflächlich abfliesst.
Ein Dilemma ist der pfluglose Anbau, bei dem der Boden zwar weniger gestört wird, der jedoch meist herbizidintensiv ist, weil das aufkommende Unkraut die Kulturen konkurrenziert. Neue Technologien[20] können hier helfen, da sie die Unkrautbekämpfung ohne Herbizide ermöglichen (Bsp. Hackroboter[21], Laser-Roboter[22], elektrophysikalisch/Hochspannung[23]).
3.5 Biolandbau, Regenerative Landwirtschaft & Co.
Die Biologische Landwirtschaft hat zwar einige Ansätze für eine bessere Resilienz gegenüber Trockenheit und Hitze, etwa die schonendere Bodenbearbeitung. Es gibt aber durchaus Verbesserungspotenzial.
Viele Massnahmen (etwa ständige Bodenbedeckung / Mulch, Zwischenfrüchte / Begrünung), welche die Resilienz gegenüber Trockenheit und Hitze stärken, werden in der «Regenerativen Landwirtschaft»[24] oder in der «Permakultur»[25] angewendet; die damit gemeinten landwirtschaftlichen Konzepte sind allerdings nicht exakt definiert, sondern in Entwicklung.
Abbildung 6: Regenerative Landwirtschaft am Beispiel der Biogartens Lieli. Bild Vision Landwirtschaft
4. Die LandwirtInnen müssen selber handeln, der Gesetzgeber muss unterstützen
Die nötigen Massnahmen für eine trockenheits- und hitzeresiliente Landwirtschaft betreffen zwei Ebenen: die Politik und den Gesetzgeber sowie die einzelnen Betriebe.
Die Schweiz muss vom Entwässerungs- und Bewässerungsparadigma zum Wasser-speicherparadigma wechseln. Wir fordern ein nationales Programm «Schwammlandschaft Schweiz», das den Rückhalt von Wasser in der Fläche rechtlich priorisiert, den Rückbau historischer Entwässerungen fördert und die land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung an die Ziele der Wasserrückhaltung und Speicherung anpasst.
Der stärkste Hebel liegt aber im Direktzahlungssystem. Heute stützen Direktzahlungen im Landesdurchschnitt rund zwei Drittel des Einkommens der Bauernfamilien.[26] Es macht Sinn, diese Zahlungen künftig stärker an wirksame Massnahmen zu knüpfen: etwa an trockenheitstolerante Kulturen, dauernde Bodenbedeckung, Agroforst, Humusaufbau oder sparsame Bewässerung.
Auf Betriebsebene sind die Landwirtinnen und Landwirte die Handelnden. Sie entscheiden, welche Massnahmen auf ihrem Betrieb sinnvoll und praktikabel sind. Es muss nicht alles auf einmal sein: Ein Agroforststreifen, mehr trockenheitstolerante Kulturen, schonende Bodenbearbeitung oder gezielte Bewässerung sind mögliche Schritte.
Gleichzeitig ist klar: Die Anpassung der Landwirtschaft an Hitze und Trockenheit ist nicht nur eine private Angelegenheit. Sie dient auch der öffentlichen Nahrungsversorgung und dem Schutz von Gewässern und Böden. Deshalb müssen Gesetzgeber und Gesellschaft die Betriebe unterstützen – mit sinnvollen Regeln, guten Anreizen und langfristiger Perspektive.
| Massnahme | Kosten | Nutzen Wasserhaushalt | Realisierbarkeit | Zeithorizont / Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| A – Pflanzenbau | ||||
|
trockenheitstolerante Kulturen (z.B., Sorghum, Hirse, Wintergetreide, Kichererbse, Linse, Süsskartoffel, Sonnenblume, Luzerne) |
tief (v. a. Umstellung) | - | + + (Absatzmärkte) |
1 – 5 Jahre; teils Marktentwicklung und Züchtung nötig |
|
Angepasste Saattermine / Fruchtfolgen |
tief | - | + + + | sofort; Managementmassnahme |
|
Trockenheitsangepasster Futterbau (Naturwiese statt Kunstwiese oder hoher Anteil Luzerne, Esparsette) / Weidemanagement |
tief–mittel | - | + + + | 1–3 Jahre; sichert Raufutterbasis |
|
Konservierende Bodenbearbeitung (Direkt-/Mulchsaat) |
tief–mittel (Maschinen) |
mittel–hoch (Verdunstung ↓, Infiltration ↑) |
+ + + (etabliert, DZ-Beiträge) |
sofort; Unkrautbekämpfung ohne Herbizide (mechanisch, Laser) |
| B – Boden | ||||
|
Dauerhafte Bodenbedeckung / Mulch, Zwischenfrüchte / Begrünung, Untersaaten |
tief | mittel–hoch | + + + | sofort; zusätzlich Erosionsschutz und Rückhalt von Nitrat |
|
Verdichtung vermeiden / sanieren |
tief–mittel | mittel (Infiltration ↑) | + + (Logistik, Wetterfenster) |
Sanierung dauert; Prävention besser und günstiger |
|
Humusaufbau (z.B. Regenerative Landwirtschaft, Permakultur) |
mittel | mittel (Speicher ↑) | + + (Wissen, Geduld) |
über 10 – 30 Jahre, Rückhalt von Nitrat |
| C – Landschaft & Betrieb | ||||
|
Agroforst, Hecken |
hoch (Investition, Pflege) | hoch (Mikroklima, Wurzeln, Humus) |
+ (Ertrag verzögert, Beratung knapp) |
10 – 30 Jahre bis Vollwirkung; DZ-Beiträge seit 2024, siehe baumfeldwirtschaft.de |
|
Hecken / Anbau in Höhenlinien / Keyline |
mittel | mittel–hoch (Abfluss ↓) | + + (Parzellenstruktur) |
v. a. Hanglagen; gut für Biodiversität |
|
Retention, Versickerung, Drainage-Steuerung, Regenwassernutzung |
mittel–hoch | hoch (Winterwasser nutzen) | + + (Bewilligungen, Raumplanung) |
3 – 10 Jahre; Pilotprojekte «Slow Water» BL/LU |
|
Effiziente Bewässerung (Tropf, Sensorik) für Spezialkulturen |
mittel–hoch |
mittel (Effizienz ↑, Bedarf bleibt) |
+ + (Technik verfügbar) |
mit regionaler Wasserbilanz; kein Flächenausbau |
|
Regenerative Landwirtschaft & Permakultur |
mittel-hoch | hoch | + + (Techniken sind bekannt) |
Integration verschiedener Massnahmen) |
| D – System & Politik | ||||
|
Regionale Wasserressourcen-Planung + Verbrauchsmonitoring |
tief–mittel (Aufgabe öffentl. Hand) |
hoch (Konflikte ↓, Steuerung) | + + (kantonale Umsetzung nötig) |
3–8 Jahre; Empfehlung Hydro-CH2018[27] |
|
Direktzahlungen auf Trockenheitsresilienz ausrichten |
kostenneutral bis mittel | hoch (Flächenhebel) | + + (Politik-Prozess, Interessen) |
nächste Agrarpolitik-Etappe (AP 2030) |
|
Standortanpassung: weniger Tierhaltung (Hitze, Futtermangel), mehr pflanzliche Direktversorgung |
hoch (Strukturwandel) | hoch (Systemhebel) |
+ (politisch-gesellschaftlich anspruchsvoll) |
10 – 30 Jahre; grösste Wirkung, grösster Widerstand |
|
Beratung, Bildung, Forschung, Risikoabsicherung |
mittel (öffentl. Hand) | mittel (Befähigung) | + + + |
sofort; grundlegend, Projekt Netzwerk Schwammland Wasser-Agenda 21 |
[1] Datengrundlage: https://www.meteoschweiz.admin.ch
[3] Scheff, J. & Frierson, D. M. W. (2014): Scaling Potential Evapotranspiration with Greenhouse Warming. Journal of Climate 27(4), 1539–1558, siehe: https://journals.ametsoc.org/view/journals/clim/27/4/jcli-d-13-00233.1.xml
Link: https://journals.ametsoc.org/view/journals/clim/27/4/jcli-d-13-00233.1.xml
[4] MeteoSchweiz, ETH Zürich & C2SM (2025): Klima CH2025 – Klimazukunft Schweiz, siehe: https://www.meteoschweiz.admin.ch/service-und-publikationen/publikationen/wissenschaftliche-publikationen/de/2025/klima-ch2025-broschuere.html
[5] M. Schorer, Dürreperioden, Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version 2002, bearb. 11.06.2012, siehe: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007778/2012-06-11/
[6] MeteoSchweiz: https://www.meteoschweiz.admin.ch/ueber-uns/meteoschweiz-blog/de/2024/07/immer-mehr-starkniederschlaege.html
[7] https://www.eaudugrandlyon.com/mon-service-public/missions-eau-du-grand-lyon/produire-eau-potable/
[8] https://www.echt-bodensee.de/wasser-spueren/bodenseewasser
[9] Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR): Trinkwasser. https://www.iksr.org/de/themen/nutzungen/trinkwasser
10] Udawatta et al. (2009): Soil water content and infiltration in agroforestry buffer strips.
[11] Giambastiani et al. (2022): Modelling the effect of keyline practice on the soil erosion control.
[12] Masi, F. et al. (2021). Natural water retention ponds for water management in agriculture.
[13] Xudong et. al (2025): Assessing the effects of controlled drainage on regional hydrological cycle and crop waterlogging and drought based on a coupled agrohydrological model.
[14] Mano et al. (2026): Sensor-based soil moisture guided drip irrigation enhances phenological development, water use efficiency, and productivity of Maize (Zea mays L.) under semi-arid conditions
[15] FAO, Irrigation Water Management: Irrigation Water Needs, Kap. 3, Tab. 14 (mit vielen weiteren Werten für verschiedene Kulturen), siehe: https://www.fao.org/4/s2022e/s2022e07.htm
[16] Diverse Quellen, insb. Agroscope und Schweizer Bauernverband.
[17] Private Mitteilung (Juni 2026) eines Schweizer Landwirts, der seit über 5 Jahren Süsskartoffeln anbaut.
[19] B. Minasny und A. B. McBratney, Limited effect of organic matter on soil available water capacity, 2018, in: European Journal of Soil Science, Volume 69, S. 39 ff., siehe : https://bsssjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/ejss.12475
[20] Wen-Tao Gao et al, Weed Management Methods for Herbaceous Field Crops: A Review, in: Agronomy 2024, 14, 486, siehe: https://www.mdpi.com/2073-4395/14/3/486
[23] https://zasso.com/de/startseite/
[24] https://www.dlg.org/mediacenter/dlg-merkblaetter/dlg-kompakt-02-2024-regenerative-landwirtschaft-eine-einordnung ; Peter Newton et al, What Is Regenerative Agriculture? A Review of Scholar and Practitioner Definitions Based on Processes and Outcomes, in: Frontiers in Sustainable Food Systems, October 2020, Volume 4, Article 577723, siehe: https://www.frontiersin.org/journals/sustainable-food-systems/articles/10.3389/fsufs.2020.577723/full
[25] https://www.aok.de/pk/magazin/nachhaltigkeit/nachhaltige-ernaehrung/mit-permakultur-nachhaltig-oekologisch-wirtschaften/ ; https://www.permakultur.de/was-ist-permakultur
[26] Im Jahr 2023 machten die Direktzahlungen durchschnittlich 69 Prozent des Gesamteinkommens der Bauernfamilien aus. Vgl. Renner, S., Jan, P., Schmid, D. & El Benni, N. (2024): Landwirtschaftliche Einkommen steigen um 30 Prozent. Die Volkswirtschaft, 2024. Siehe: https://dievolkswirtschaft.ch/de/2024/12/landwirtschaftliche-einkommen-steigen-um-30-prozent/
Rebecca Knoth-Letsch
Geschäftsführerin
"Die Landwirtschaft ermöglicht uns ein gutes Leben, indem sie Nahrungsmittel produziert. Gleichzeitig trägt sie eine grosse Verantwortung für unsere Lebensgrundlagen."