Agroforst - zukunftsfähige Landwirtschaft?
Montagnachmittag in Frick, AG. Die Sonne steht hoch am blauen Himmel, es ist windig. Beides steht sinnbildlich für die Herausforderungen der Landwirtschaft. Denn durch den Klimawandel wird es zunehmend heisser. Luft, welche um 1 Grad Celsius wärmer wird, kann bis zu 7% mehr Luftfeuchtigkeit aufnehmen. Das bedeutet: mehr Wasser verdunstet, auf dem Acker nimmt Trockenstress zu. Am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) ist man sich dessen bewusst und will herausfinden, was die Betriebe konkret dagegen tun können.
Agroforsttestfläche beim FiBL
Die Ackerflächen zwichen den Baumstreifen sind 24 Meter breit, so ist die Bewirtschaftung mit landwirtschaftlichen Geräten möglich. Diese Variante hat den Namen "Alley Cropping". Auf den Bildern wird momentan (viertes Jahr) Soja angebaut. Vorher wurden zwei Mal Kleeblatt und einmal Dinkel angebaut.
Verschiedene Agroforstsysteme
Dieses Systeme verbinden Ackerkulturen mit Gehölzen auf derselben Fläche. Zum Beispiel Weizen zwischen Baumreihen oder Gemüsebau mit Obst- oder Nussbäumen. In modernen Anlagen stehen die Baumreihen oft so, dass Maschinen weiterhin eingesetzt werden können (Alley Cropping).
Diese System verbinden Bäume mit Nutztierhaltung. Ein klassisches Beispiel sind die Waldweiden im Jura oder Kühe unter Obstbäumen. Diese liefern den Tieren Schatten sowie Hitze- und Windschutz.
Diese Systeme verbinden Bäume mit Ackerbau und Tierhaltung. Dieses System kommt häufig in tropischen und subtropischen Gebieten vor. Aber auch die Dehesa in Spanien und Portugal sind Teil von diesem System. Das Ziel ist maximale Flächeneffizienz und die Diversifizierung von Einkommen.
Das Forschungsteam um Matthias Kleiss am FiBL forscht auf einem 1,4 ha-Versuchsfeld zu Agroforstsystemen. Hier wird der Anbau von Bäumen auf einem Acker getestet (sogenannte silvoarable Systeme). Während silvopastorale Systeme in der Schweiz schon lange Bestand unserer Landschaft sind, bleiben silvoarable Systeme trotz Anstieg in den letzten Jahren rar. Das soll sich ändern, denn diese bieten zahlreiche Vorteile.
Agroforstsysteme wirken nämlich als Windbremse und reduzieren dadurch die Verdunstung. Sie schützen den fruchtbaren Boden vor Erosion, fördern die Biodiversität, erschliessen mit ihren tiefergehenden Wurzeln andere Bodenschichten und können Nährstoffverluste verringern. Ein weiterer Benefit: Der landwirtschaftliche Betrieb diversifiziert sich weiter, da aus Bäumen Wertholz oder Obst bzw. Nüsse produziert werden kann. Die Vermarktung solcher Produkte ist aber nicht immer einfach.
Wenn es nun so viele Vorteile von Agroforstsystemen gibt, warum werden sie nicht häufiger umgesetzt?
Gründe dafür sind unter anderem der hohe Wissensbedarf, die Konkurrenz zwischen Bäumen und Ackerkulturen um Ressourcen sowie die langfristigen Investitionen. Dazu kommt, dass Agroforstsysteme nicht auf drainierten Flächen funktionieren, da Wurzeln das Drainagesystem zerstören können. Je nach Ackerpflanzen, Beschattungsquotient und Forschungsprojekt zeigt die Forschung unterschiedliche Resultate, wenn es um die Erträge bei Agroforstsystemen geht. Jeder Acker muss individuell geprüft werden. Für solche Fragestellungen bietet SilvoCultura Beratung und Unterstützung in diesem Bereich.
Forschungsbedarf besteht weiterhin bei der Frage, ob die Erträge bei Agroforstsystemen – wenn auch nicht bei der Menge, dann aber bei der Stabilität – sogar Vorteile gegenüber konventionellen Ackerbausystemen aufweisen. Denn: Gerade die Ertragsstabilität gerät durch den Klimawandel zunehmend unter Druck!
Diese Potenziale für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, die sich von Monokulturen löst und Synergien nutzt, wollen wir stärken!
Vision Landwirtschaft fordert in der AP2030+ eine stärkere Unterstützung bei der Umstellung auf Agroforstsysteme. Zudem soll die Deklaration so vereinfacht werden, dass Betriebe nicht mühsam auf die verschiedenen Flächen hinweisen müssen, um Direktzahlungen zu erhalten.
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Medienbeiträge:
Agroforstkonferenz in Neuchâtel, 22-26 Juni 2026
https://www.agroforst.ch/termine/
Studien zu Agroforst in der Schweiz
Rebecca Knoth-Letsch
Geschäftsführerin
"Die Landwirtschaft ermöglicht uns ein gutes Leben, indem sie Nahrungsmittel produziert. Gleichzeitig trägt sie eine grosse Verantwortung für unsere Lebensgrundlagen."