EU lockert Regeln für neue Gentechnik – was bedeutet das für die Schweiz?
Das EU-Parlament will die Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit bestimmter gentechnisch veränderter Pflanzen lockern. Was bedeutet das für die Schweiz als Importland? Und wie lassen sich Wahlfreiheit und Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten künftig sicherstellen? An unserer Generalversammlung diskutierten wir diese Fragen direkt vor Ort auf der «Protected Site» der Agroscope Reckenholz.
Am 17. Juni hat das EU-Parlament beschlossen die Regeln für neue gentechnische Verfahren zu lockern. Künftig sollen bei Pflanzen mit nur wenigen gezielten Veränderungen keine Kennzeichnung im Supermarkt und keine volle Rückverfolgbarkeit mehr verlangt werden. Das Saatgut soll jedoch weiterhin gekennzeichnet werden.
Für die Schweiz kann das Folgen haben, weil sie viele Lebensmittel aus dem Ausland einführt. Es könnte künftig schwieriger werden, genau nachzuprüfen und sicher anzugeben, ob Ware ohne Gentechnik produziert wurde. Wer künftig Produkte aus der EU ohne Gentechnik kaufen will, wird sich deshalb vor allem auf Bioprodukte verlassen müssen, denn im Bio-Landbau ist Gentechnik auch in der EU weiterhin verboten.
Genau an diesem Punkt setzt die Lebensmittelschutz-Initiative an: Sie wollte klare Regeln für Prüfung, Deklaration und Rückverfolgbarkeit von gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmitteln sichern. Zwar ist die Initiative nicht zustande gekommen, doch die Fragen dahinter bleiben aktuell. Der EU-Entscheid zeigt, warum das Thema für die Schweiz weiter wichtig ist.
Wer Wahlfreiheit und Transparenz bei Lebensmitteln erhalten will, ist auf klare Regeln zur Deklaration und Rückverfolgbarkeit angewiesen. Werden diese in der EU gelockert, hat das auch Auswirkungen auf die Schweiz als Importland. Sollen gentechnisch veränderte Pflanzen und daraus hergestellte Lebensmittel weiterhin klar geprüft und deklariert werden? Und: Wer profitiert schlussendlich vom Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft?
Genau diese Themen haben wir auch an unserer Generalversammlung vom 12. Juni aufgenommen. Wir luden Mitglieder und Medien auf die «Protected Site» der Agroscope Reckenholz ein, wo Feldversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen durchgeführt werden. Die BauernZeitung hat darüber berichtet (siehe unten). Vision Landwirtschaft spricht sich gegen Abhängigkeiten von grossen Konzernen aus, fordert Wahlfreiheit bis zum Konsumenten, eine Prüfung von Langzeitrisiken und die konsequente Warentrennung mit Haftungsregeln nach dem Verursacherprinzip.
Weiterlesen:
Gentechnik bei Pflanzen: Die Schweiz steht am Scheideweg - Vision Landwirtschaft
EU lockert Gentechnik-Regeln: Was bedeutet das für die Schweiz? - Wissen - SRF
Rebecca Knoth-Letsch
Geschäftsführerin
"Die Landwirtschaft ermöglicht uns ein gutes Leben, indem sie Nahrungsmittel produziert. Gleichzeitig trägt sie eine grosse Verantwortung für unsere Lebensgrundlagen."