DigiFLUX – teuer und zahnlos, aber eigentlich dringend benötigt
DigiFLUX wurde als Meilenstein der landwirtschaftlichen Digitalisierung angekündigt. Nach aktuellem Stand bleibt davon wenig übrig. Für Millionenbeträge entsteht ein System, in dem Betriebe vor allem online angeben müssen, welche Pestizide und Dünger sie wann einkaufen und einsetzen. Echte Transparenz und Rückverfolgbarkeit entlang der Produktions- und Handelsketten entsteht so nicht.
Neu und ernüchternd ist, dass sich heute kaum noch ein konkreter Nutzen erkennen lässt. Die Verbrauchsdaten, die jetzt mühsam digital gesammelt werden, existierten schon vor DigiFLUX. (Die Betriebe mussten sie im Rahmen des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) dokumentieren.) Und wegen Datenschutzauflagen dürfen sie nicht einmal so genutzt werden, dass Rückschlüsse auf Betriebe möglich wären. Was bleibt, ist eine technische Hülle für die angestrebte Mitteilungspflicht – ohne Nutzen für Umweltziele oder Betriebe.
Besonders paradox: Traktorenhersteller und Farm-Management-Systeme wissen dank GPS-Dokumentation längst, auf welchem Feld gedüngt oder gespritzt wird. Nur der Staat will solche Informationen nicht kennen – beim Kraftfutter etwa bleibt in den Meldungen oft sogar offen, für welche Tierkategorien es letztlich eingesetzt wird.
Warum also kommt DigiFLUX nicht vom Fleck? Wer mehr Verbindlichkeit einfordert, gerät schnell unter politischen Druck. So bleibt die Digitalisierung in der Praxis oft halbherzig: Alle sprechen davon, doch vielerorts werden Spritzpläne nach wie vor handschriftlich geführt – und die Chancen einer wirklich aussagekräftigen Datenbasis bleiben ungenutzt.
DigiFLUX wäre eine Chance gewesen, Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Effizienz in die Landwirtschaft zu bringen. Wie? Mit betriebsbezogenen Auswertungen, verknüpften Flächen- und Tierdaten und Umweltziel-relevanten Auswertungen statt bloss formaler Meldungen. Stattdessen droht das Projekt zum Sinnbild einer verpassten Digitalstrategie zu werden – teuer, stark entschärft und mit fraglichem Mehrwert.
Weiterführende Medien-Beiträge:
SRF Beitrag vom 3. Februar 2026 - DigiFLUX-Projekt-Kritik an Datenbank zu Pestizid- und Dünger-Einsatz
Ralph Hablützel
Stv. Geschäftsführer
«Mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie – für fruchtbare Böden, gesunde Lebensmittel und eine nachhaltige Zukunft.»