Startseite / Themen / Beratung und Ausbildung / Projekt Máréfalva: Der traditionellen Landwirtschaft in einem der artenreichsten Gebiete Europas eine Zukunft geben
VISION LANDWIRTSCHAFT / 1.2. 2020

Projekt Máréfalva: Der traditionellen Landwirtschaft in einem der artenreichsten Gebiete Europas eine Zukunft geben

Vision Landwirtschaft berät, unterstützt und begleitet in Siebenbürgen (Rumänien) ein dörfliches Landwirtschaftsprojekt, das auf exemplarische Weise Produktion, Biodiversität und die Erhaltung kleinbäuerlicher Strukturen miteinander verbindet.

/_visionlandwirtschaft_prod/uploads//opt_MarefalvaDorfansicht.jpg

Das Dorf Máréfalva am Rand des Harghita-Gebirges im Norden Rumäniens gehört - zusammen mit einigen wenigen weiteren Dörfern Siebenbürgens - zu den letzten Gebieten Europas, wo eine weitgehend traditionelle Landwirtschaft erhalten geblieben ist. Erhalten geblieben sind auch die enorm reichhaltige Flora und Fauna. Diese „alte“ Form von Landbewirtschaftung ohne jeglichen Naturschutz und im Wesentlichen auch ohne landwirtschaftliche Ökoprogramme hat die grosse Biodiversität der kleinräumigen, stark strukturierten Landschaft bis heute bewahrt.

Grossteil der Höfe vor dem Aus
Diese Landwirtschaft ist allerdings kaum mehr rentabel, und viele Betriebe entsprechen nicht mehr den EU-Anforderungen, so dass Investitionen nötig wären. Doch das Geld fehlt. Ein Grossteil der Jungen arbeitet mittlerweile im Ausland, vor allem in Deutschland und der Schweiz. Es fehlen überall Arbeitskräfte. Ein Grossteil der noch mehreren hundert Höfe steht in den nächsten 5 Jahren vor dem Aus.

Mit dem vorliegenden Projekt wollen einige engagierte Dorfbewohner mit Schweizer Unterstützung versuchen, die bestehenden Strukturen und die Produktivität der bisherigen Landwirtschaft ebenso wie die breite Einbindung von lokalen Arbeitskräften mit einem innovativen, nachhaltigen Projekt zu erhalten. Ohne alles Bisherige zu zerstören, soll die Wirtschaftlichkeit der traditionellen Nutzungsweise stark erhöht werden.

Gemeinschaftsprojekt
Dies soll erreicht werden durch ein Zusammenfassen wesentlicher Produktionsschritte in einem Gemeinschaftsstall und neue Zusammenarbeitsformen zwischen den Landwirten. Für die Landnutzung wurde zusammen mit Vision Landwirtschaft ein detailliertes Landnutzungskonzept erarbeitet. Wichtige Grundpfeiler einer besonders nachhaltigen Nutzung wurden im Vorfeld mit dem neu gegründeten Bauernverein Unitis verbindlich geregelt.

Offenlaufstall für behorntes Rotfleckvieh
In einer aufwändigen Detailarbeit wurde ein Stall für 68 Kühe und 150 Jungtieren geplant. Die Verantwortlichen aus dem Dorf besuchten dazu die innovativsten Stallbauten in der Schweiz. Als Vorbildkonzept wurde schliesslich ein Offenlaufstall für behornte Kühe aus Mettmenstetten gewählt.  Der  Aufbau einer Herde mit rumänischem Rotfleckvieh ist bereits im Gange, die ersten Kühe konnten bereits gekauft werden. Es handelt sich um eine Zweinutzungsrasse, die an die vorgesehene Fütterung mit Vollweide angepasst ist und die neben der Milch auch einen guten Fleischertrag liefert. Dadurch ist eine viel kostengünstigere Produktion möglich, die gleichzeitig Produktionsmengen und -qualitäten erlaubt, die am Markt zu einem akzeptablen Preis verkauft werden können. Die einzelnen Produzenten bleiben dabei selbständig, und die bestehenden Strukturen können weitgehend wie bisher genutzt werden.

Lokale Initiative
Die wichtigste Stärke des Projektes ist die Führungscrew vor Ort. Promotoren und Leiter sind Balázs Dávid und Lajos Dávid, zwei Persönlichkeiten, die auf Kleinbauernbetrieben in Máréfalva aufgewachsen sind. Sie bringen einen beachtlichen fachlichen Leistungsausweis mit. Balázs ist Marketingleiter vo Gobe, welche sich auf die Vermaktung hochwertiger, lokaler Nahrungsmittel in Rumänien spezialisiert hat und in vielen Städten eigene Verkaufsläden führt. Lajos amtete viele Jahre als Gemeindepräsident von Máréfalva, hat im Ausland landwirtschaftliche Erfahrungen gesammelt und hat einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb in der Region aufgebaut. Balazs wie Lajos wohnen nicht nur im Dorf, sondern sind auch stark in die Gemeinschaft des Dorfes integriert.

Die Promotoren haben in weitgehender Eigenleistung und mit ehrenamtlicher fachlicher Begleitung aus der Schweiz seit 2017 den Bauernverein Unitis Agricultural Cooperative gegründet und ein umfangreiches Projektdossier für einen EU-Finanzierungsantrag zusammengestellt. Das am 7. September 2018 eingereichte Gesuch wurde im Februar 2019 von der EU akzeptiert - ein grosser Erfolg. Damit übernimmt die EU nun 90% der budgetierten Kosten von 2 Mio Euro. 

Erfolgreicher Projektstart
Den Restbetrag von 200‘000 Euro musste der Bauernverein  über andere Kanäle finanzieren. Die Finanzkraft seiner Mitglieder reichte dazu allerdings bei weitem nicht aus, und von Banken war es unmöglich, Kredite zu erhalten. Vision Landwirtschaft hat es deshalb übernommen, Spenden aus der Schweiz zu sammeln und Darlehen zu vermitteln. Dank der Mitwirkung befreundeter Personen und vielen SpenderInnen ist es gelungen, die nötigen Mittel aufzubringen, so dass der Gemeinschaftsstall finanziell gesichert werden konnte. Der Bau beginnt im Frühling 2020, und viele weitere Vorbereitungsarbeiten sind bereits realisiert, so dass das grosse Gemeinschaftsvorhaben immer mehr Form annimmt.

Das Projekt wird weiterhin durch Experten von Vision Landwirtschaft eng begleitet - seit über 10 Jahren bestehen enge persönliche Kontakte zur Region. Zentrales Anliegen dieser Zusammenarbeit ist es, die Nachhaltigkeit aller Schritte sicherzustellen und das Projekt zu einem Vorzeigemodell zu machen, wie Produktion und die Erhaltung von Biodiversität und Landschaft auch unter schwierigen Bedingungen wirtschaftlich erfolgreich realisiert werden können.

Das Projekt soll nicht nur für die Landwirtschaft und Landschaft von Máréfalva eine neue, ökologisch und sozial nachhaltige Perspektive schaffen. Es soll ebenso die anderen Dörfer in Rumänien, die in einer ähnlichen Situation sind, animieren, von den Erfahrungen des Projektes zu profitieren und ihr Schicksal selber an die Hand zu nehmen.

Auf Spenden angewiesen
Noch stehen viele Herausforderungen an. So ist eine ökologische Aufwertung der bewirtschafteten Flächen vorgesehen. Dazu sollen nicht mehr genutzte, verbrachende Wiesen entbuscht, die traditionelle Obstproduktion mit alten Sorten zu neuem Leben erweckt und die Arbeit mit Pferden mit dem Kauf zweier Gäule aktiv gefördert werden. All diese kleinen Teilprojekte sind derzeit noch nicht finanziert. Vision Landwirtschaft sucht deshalb weiterhin nach SpenderInnen, die bereit sind, das Projekt aus der Schweiz zu unterstützen.


Spenden  zugunsten des Projektes Máréfalva kommen vollständig dem Projekt zu Gute.


Nähere Auskünfte: Andreas Bosshard, Geschäftsführer Vision Landwirtschaft, abosshard@visionlandwirtschaft.ch, 056-641 11 55

Spendenkonto: IBAN CH75 0900 0000 6023 7413 1, Vision Landwirtschaft, Vermerk "Marefalva"

/_visionlandwirtschaft_prod/uploads//opt_MarefalvaLandschaft.jpg
Kulturlandschaft in der Umgebung des Dorfes Máréfalva/Rumänien.